Vortrag Wilfried Franke

Tiefe Einblicke in die Regionalplanung

 

Verbandsdirektor Wilfried Franke zu Gast beim Bodensee-Presseclub

 

Das komplexe Thema „Darstellung der Fortschreibung des Regionalplans bis 2035 – Der Regionalverband plant unsere Zukunft!“ stand im Mittelpunkt eines Informationsnachmittags, zu dem der Bodensee-Presse Club (BPC) Friedrichshafen am Dienstag (2. Juli) in den Seminarraum des Zeppelin-Museums eingeladen hatte. Als Referent konnte Wilfried Franke, seit 2008 Direktor des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben mit Sitz in Ravensburg, gewonnen werden.

Der Regionalverband ist Träger der Regionalplanung für das Gebiet der Landkreise Bodenseekreis, Ravensburg und Sigmaringen. Rund 20 Zuhörer verfolgten die Ausführungen Frankes zu den Schwerpunktthemen Regional-Entwicklung der Siedlungen, Freiräume, Standorte und Trassen.  

„Herr Franke, Sie sind kein Spruchbeutel sondern ein echter Macher“, fasste das Friedrichshafener Urgestein Manfred Sauter am Schluss der Veranstaltung seine Eindrücke zusammen. Er dankte damit auch im Sinne der BPC-Mitglieder und Freunde des Vereins für die deutlichen Worte, die der Verbandsdirektor zu dem breiten Themenfeld der Regionalplanung fand.

„Unsere Aufgabe im Regionalverband ist es in die Zukunft zu blicken und dazu die Planungen für die Entwicklung der Region Bodensee-Oberschwaben bis 2035 fortzuschreiben“, beschrieb Franke einleitend die Ziele des Verbands. Klar sei in diesem Prozess allen Beteiligten, dass die Zielkonflikte immer stärker auftreten werden. Es werde jedes Jahr schwieriger, für die Planungen Akzeptanz zu finden. „Unsere Fläche lässt sich nicht vermehren. Für eine Fortentwicklung der Gesellschaft sei aber Fläche ein unersetzliches Gut.

Die Region Bodensee-Oberschwaben wächst in der Vergangenheit aber auch in der Zukunft durch Zuwanderung. Die Berechnungen auf Grund gesicherter Zahlen sagen voraus, dass die Bevölkerung in dieser Region von derzeit 630 000 Menschen um 60 000 bis 70 000 Einwohner wachsen wird. Entsprechend wichtig sei die Ausweisung von Flächen für die Wohnbebauung. In Friedrichshafen wird vor allem der Bereich Jettenhausen ein Schwerpunkt der Wohnungsbauaktivitäten sein, nannte Franke ein Beispiel.

„Wir sind am Ende unserer gewerblichen Bauflächen“, wird der Ist-Zustand geschildert. Schon heute müssten reihenweise Unternehmen abgewiesen werden, da Flächen für eine Ansiedlung fehlen. Nach den aktuellen Überlegungen wird sich künftig der Löwenanteil der gewerblichen Entwicklung im Landkreis Sigmaringen abspielen.

Interessenskonflikte treten beim Umgang mit den Rohstoffen wie Kies und Sand derzeit offen zu Tage. „Wir müssen die Versorgung der Bevölkerung mit diesen Bodenschätzen sichern. Die bisher genehmigten Abbaumengen reichen gerade noch fünf Jahre lang“, warnte Franke. Der Kritik, dass große Mengen an Sand und Kies ins benachbarte Österreich und in die Schweiz gekarrt werden, begegnete der Referent: „Über 90 Prozent der Rohstoffe in der Region brauchen wir selber.“ Im Übrigen lebe die Wirtschaft vom Austausch. Unsere Region profitiere unter anderem vom Bezug von Energie aus dem direkten Nachbarland.

Intensiv beschäftigt sich der Regionalverband mit der Verkehrsinfrastruktur. Nach langem Ringen sei die seit Jahrzehnten geforderte Elektrifizierung der Südbahn zwischen Ulm und Lindau auf einem guten Weg. Mit einem Aufwand von aktuell errechneten 340 Millionen Euro wird modernste Infrastruktur geschaffen, freut sich Franke. Vor Jahren waren die Kosten noch auf 180 und dann 220 Millionen Euro vorausgesagt worden. Geld sei derzeit im Überfluss vorhanden.

Jetzt müssten alle Anstrengungen auf die Elektrifizierung der Bodensee-Gürtelbahn gerichtet werden, schilderte der Referent die Zielvorgaben. Er malte schwarz an die Wand, dass bald überall Elektroloks fahren, doch in Friedrichshafen sei aus Richtung Singen Schluss. Hier müssten dann die Lokomotiven gewechselt werden, so wie heute noch in Ulm.

Kritik äußerte Wilfried Franke an der Landesverkehrspolitik. „Unser Nachbarland Bayern hat 20 planfestgestellte Straßenbauprojekte in der Schublade. Baden-Württemberg hat keine baureifen Pläne. Das Geld aus Berlin wird also nach Bayern fließen. Das weiß derzeit aber noch niemand“, gab der Verbandsdirektor Einblicke in sein Wissen.

Nach einer kurzen aber lebhaften Diskussionsrunde dankte BPC-Präsident Manfred Weixler dem Referenten Wilfried Franke für seine engagierten Ausführungen, mit denen Sachverhalte richtig eingeordnet werden können. Der Nachmittag endete mir angeregten Gesprächen, bei denen die Regionalpolitik weiter debattiert werden konnte.

 

Text und Fotos: Herbert Guth