BPC-Ehrenpräsident Martin Herzog - Ein Wanderer zwischen den Welten

Martin Herzog feierte am 28. Dezember seinen 80. Geburtstag

Der frühere Oberbürgermeister prägte die Zeppelinstadt

 

Von Herbert Guth

 

Er ist ein Wanderer zwischen zwei Kontinenten, zwischen Europa und Afrika. Seine 8000 Hektar große Farm in Namibia nannte er nach dem Kauf des Geländes 1994 Okusuva. In der Herero-Sprache bedeutet dies „Ort der Ruhe“.

Seine uneingeschränkte Liebe jedoch gehört der Stadt, die ihm zur Heimat wurde – Friedrichshafen. Die Rede ist von Martin Herzog, gerne abgekürzt MH, der am 28. Dezember seinen 80. Geburtstag feiert.

Der erste Landrat des 1973 neu gegründeten Bodenseekreises, anschließend ab 1977 umtriebiger Oberbürgermeister der Zeppelinstadt, später Wirtschaftsminister des Landes Baden-Württemberg, Landtagsabgeordneter im Wahlkreis Esslingen, Chef eines mittelständischen Unternehmens und schließlich bis im Jahr 1999 einer der Geschäftsführer des Verbandes der Automobilindustrie in Frankfurt hat auch im hohen Alter nichts von seinem wachen Geist und seinem Elan verloren, welche ihn zeitlebens auszeichneten.

Er ruht in sich, wenn er den Blick auf ein beruflich überaus erfolgreiches Leben wirft, er ist mit seinem Leben im Reinen. Lebhaft, gestenreich und präzise erinnert er sich an die Stationen, die sein Leben prägten.

Dazu gehört auch, dass es in seinem Leben dunkle Schatten gab. Seine erste Frau Beate starb nach 36 Jahren Ehe viel zu früh an einer unheilbaren Krankheit. Und seine jüngste Tochter Beate wurde nur 44 Jahre alt, als sie zu Grabe getragen werden musste.

Ein neues Glück fand Martin Herzog an der Seite seiner zweiten Frau Cornelia. Die gebürtige Vorarlbergerin ist ihm stets liebevolle Stütze und Hilfe in allen Lebenslagen.

 

Martin Herzog war Zeit seines Lebens ein Macher, meist überaus erfolgreich. Wer ihn erstmals in jungen Jahren im April 1973 bei den ersten Wahlen zum Kreistag des neuen Bodenseekreises als Amtsverweser kennenlernte, später als Landrat bei verschiedenen Terminen begleitete und ihn schließlich hautnah ab 1981 seine Arbeit als Oberbürgermeister mitverfolgen und kommentieren konnte, beobachtete in dieser Zeit seinen beeindruckenden Willen, Neues zu schaffen und auch durchzusetzen.

Zu erinnern ist an die heftigen politischen Diskussionen um das Bürgerzentrum, das heute als Graf-Zeppelin-Haus die unangefochtene gute Stube Friedrichshafens ist. Wer weiß wie die Geschichte um dieses Bauwerk verlaufen wäre, hätte sich der damalige Oberbürgermeister nicht mit aller Macht für dieses Projekt engagiert.

Wichtig war ihm, dass die zunächst zerstrittene Bürgerschaft sich nach der Entscheidung pro „GZH“ wieder zusammenfand. „Der Stadtfrieden wurde relativ schnell wieder hergestellt“, erinnert sich Herzog.

In seiner siebenjährigen Amtszeit setzte Herzog wegweisende Akzente für die Entwicklung Friedrichshafens zu einer modernen Stadt mit Industrie, aber auch hohem Freizeitwert. Davon zeugt die von ihm energisch vorangetriebene Erweiterung der Altstadt über den Bahndamm hinaus in Richtung Osten. Sein großes Ziel war es immer, eine heimelige Stadt zum Wohle aller Bürger zu schaffen.

Eine Bewertung der Arbeit seiner Nachfolger Bernd Wiedmann, Josef Büchelmeier und Andreas Brand kommt Martin Herzog nicht über die Lippen. „Für mich ist es ein heiliger Grundsatz, dass ich mich aus der Stadtpolitik heraushalte“, sagt er.

Mit einer Ausnahme: „Ich rate dazu, alle Anstrengungen zu unternehmen, einen langjährigen Rechtsstreit um die Zukunft der Zeppelin-Stiftung zu vermeiden.“

Unvergessen ist dem Schreiber dieser Zeilen der 26. November 1984. An diesem Abend erläuterte Martin Herzog vor einem kleinen Kreis Journalisten seinen Entschluss, dem Ruf des damaligen Ministerpräsidenten Lothar Späth zu folgen und als Wirtschaftsminister in das Kabinett einzutreten.

Die Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen. Immerhin seien nach jetzt siebenjähriger Amtszeit auf dem Chefsessel im Häfler Rathaus die Früchte der kommunalpolitischen Arbeit zu sehen, „die man langsam auch mal ernten möchte“. Bewegt sagte Herzog damals: „Oberbürgermeister in einer Stadt wie Friedrichshafen zu sein, ist eine der schönsten Aufgaben, die man sich vorstellen kann.“

Diese Bewertung ist sicherlich auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass er als Aufsichtsratsvorsitzender der Stiftungsunternehmen ZF, zu dieser Zeit noch Zahnradfabrik, und dem Zeppelin-Konzern als Mann bewähren konnte, der wichtige Anstöße für die Entwicklung dieser Unternehmen gab. Herzog wies damals weitsichtig ZF den Weg in die USA, wie er sich erinnert. „Mein Hauptanliegen war es, die Betriebe zu ermuntern, den Weg in die Internationalisierung und Globalisierung mutig zu wagen.“

Er nutzte rigoros seinen Einfluss und fühlte sich gerne als oberster Verkäufer der Produkte seiner ZF. „Die ZF entwickelte sich gut in der Ära Martin Herzog“, bewertet der Wirtschaftsjournalist Rolf Dieterich in einem Buch die Arbeit des jetzt 80-Jährigen.

Seine Arbeit als Wirtschaftsminister hinterließ im Gegensatz zu seiner Arbeit als Landrat und Stadtoberhaupt weniger sichtbare Spuren. Das lag wohl auch daran, dass sich der damalige Ministerpräsident Lothar Späth selbst als oberster Wirtschaftslenker des Landes sah. Trotzdem sagt Martin Herzog rückblickend, dass seine gemeinsame Arbeit mit Späth mit dazu beigetragen hat, das Land Baden-Württemberg in eine blühende Zukunft zu führen.

Stolz ist er darauf, vor allem mittelständischen Unternehmen die Türen im Ausland für erfolgreiche Geschäfte geöffnet zu haben.

Beim Blick in die Zukunft wünscht sich Martin Herzog an der Schwelle zu einem neuen Lebensjahrzehnt, dass er mit seiner Frau, den zwei Kindern und vier Enkeln noch einige glückliche und gesunde Jahre verbringen darf. „Und meiner Heimatstadt wünsche ich eine weitere gedeihliche Entwicklung.“

So lange es geht wird Martin Herzog dem zähen Bodensee-Nebel nach Namibia entfliehen, um auf seiner Farm Okusuva unter der Sonne Afrikas seinen Platz zum Ausruhen zu finden. Seine letzte Ruhe allerdings wird er in Friedrichshafen suchen, so der Wunsch von Martin Herzog.

Vorher seien ihm aber noch viele glückliche Jahre in seiner Heimat Friedrichshafen gegönnt.

 

Zur Person Martin Herzog hier klicken