Vortrag "Migration, Flucht, Asyl-prekäre Entwicklungen?"

 

Grenzpolizei Lindau arbeitet am Limit

 

Friedrichshafen/Lindau - Aktueller hätte der Vortragsabend des Bodensee Presse Clubs (BPC) am Donnerstagabend (4. August) kaum sein können. Wenige Stunden vor der Versammlung hatte SPD-Chef und Vizekanzler Sigmar Gabriel über die hohe Belastung der Bundespolizei gesprochen und dabei eine bessere Ausstattung mit Personal und Material gefordert. Dies alles vor dem Hintergrund der gewaltigen Aufgaben, vor der sich die Beamten der Bundespolizei bei der Bewältigung der Grenzsicherung angesichts der Flüchtlingsströme sehen. Am Abend dann sprach Polizeihauptkommissar Mirco Heerd von der Bundespolizei Lindau im Comfort-Hotel über „Migration, Flucht, Asyl – prekäre Entwicklungen?“ Der Leiter des Bundespolizeireviers Lindau ging dabei auf die aktuellen Flüchtlingsströme, Grenzkontrollen im Schengener Raum und Außengrenzensicherung im Bodenseegebiet ein. Nach Veranstaltungen des BPC mit Landrat Lothar Wölfle über die Situation der Asylantenunterbringung im Bodenseekreis sowie einem Vortrag von Karl-Heinz Wolfsturm über seine Arbeit als Ombudsmann für Flüchtlingsfragen in Baden-Württemberg rundeten die Ausführungen des Praktikers Mirco Heerd den Themenkomplex ab.

Polizeihauptkommissar Mirco Heerd lebt für seine Aufgabe bei der Bundespolizei. Bei seinem Vortrag ließ er keinen Zweifel daran, wie wichtig die Aufgaben in den Dienststellen sind und wie er und seine 50 Beamten in Lindau mit der schwierigen Situation umgehen. Zwölf-Stunden-Schichten sind die Regel, 500 bis 1000 Überstunden bei den Beamten keine Seltenheit. Ein Schwerpunkt ist die Überwachung der Grenzübergänge in Lindau und Umgebung. Dazu kommen Einsätze im Rahmen der Binnengrenzfahndung, die in einem Bereich von 30 Kilometern ab Lindau erfolgt. Ein Hauptaugenmerk wird auf die Bekämpfung der Schleuserkriminalität und auf polizeiliche Maßnahmen bei illegaler Migration gelegt. Gerade hier legten die Fallzahlen im Grenzbereich von Lindau und damit auch im benachbarten Bodenseekreis in den vergangenen Monaten massiv zu. Aber auch die Suche nach Drogen, Waffen oder nach verbotenen Geldflüssen gehört in den Aufgabenbereich der Bundespolizei, die aus dem Bundesgrenzschutz hervorging.

Jeden Tag gibt es im Bereich des Lindauer Reviers Aufgriffe von illegal einreisenden Flüchtlingen, führte Mirco Heerd aus. Vor wenigen Tagen wurden 60 Illegale aufgegriffen, die über Vorarlberg nach Lindau kamen und ein entsprechendes Medienecho auslösten. Grund des Ansturms war wohl die unerwartete Auflösung eines Flüchtlingslagers in der benachbarten Schweiz in Altstetten.

Polizeihauptkommissar Heerd geht davon aus, dass die Versuche, im Grenzbereich am Bodensee illegal nach Deutschland einzureisen, künftig zunehmen werden. Er erwartet, dass die Flüchtlingsströme aus Richtung Türkei vermehrt über Italien nach Zentraleuropa kommen werden. Als Transportmittel wurden die Fernbusse entdeckt, die noch vor den Zügen und Autos rangieren.

Nach den Erfahrungen der Bundespolizisten wird ein Lob für das Verhalten von syrischen Flüchtlingen ausgesprochen. Diese seien bei der Erfassung ihrer Daten und den folgenden Maßnahmen überwiegend kooperativ und verständnisvoll. Als eher schwierige Kandidaten werden in vielen Fällen Flüchtlinge aus Nord- und Schwarzafrika eingeordnet.

Große Anteilnahme zeigt der Revierleiter für unbegleitete jugendliche Flüchtlinge. „Um die müssen wir uns besonders kümmern“, forderte Heerd alle Beteiligten auf. Aus eigener Anschauung weiß er, dass diese Personengruppe oft unsägliches Leid erfahren hat. Davon zeugen Narben und andere Verletzungen, sowie des Körpers als auch der Seele. „All dies gibt mir zu denken und macht mich betroffen.“

Bei der Kontrolle illegal einreisender Flüchtlinge wird natürlich ein Augenmerk auf Anzeichen gelegt, ob weitläufig ein Terrorhintergrund bei den Betroffenen erkannt werden kann. In einigen Fällen sei hier entsprechend weiter ermittelt worden.

 

Bestätigt wurde von Mirco Heerd die angespannte Lage beim Nachwuchs für die Grenzpolizei. Die Industrie locke mit deutlich höheren Gehältern, als sie bei der Polizei bezahlt werden. Die Eingangsvoraussetzungen für eine Ausbildung bei der Polizei wurden deshalb nach unten geschraubt.

Nach einer Fragerunde dankte BPC-Präsident Manfred Weixler dem Referenten mit einem Weingeschenk für seine lebendigen Ausführungen und lud zu weiteren Gesprächen mit den Mitgliedern ein.

 

Von Herbert Guth, Foto Herbert Neidhardt

 

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