Karl-Heinz Wolfsturm hält spannenden Vortrag beim BPC

Das neue Leben des Karl-Heinz Wolfsturm

 

Ombudsmann für Flüchtlinge in Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes- Karl-Heinz Wolfsturm hält spannenden Vortrag über seine Arbeit beim Bodensee Presse Club (BPC) Friedrichshafen.

 

 

Von Herbert Guth

 

 

Als der frühere Friedrichshafener Polizeidirektor Karl-Heinz Wolfsturm Anfang 2014 in den Ruhestand verabschiedet wurde, ahnte er noch nicht, dass sein Leben noch einmal eine Wende nehmen und aufregend werden würde. Alles begann im Mai 2015 mit einem Anruf vom damaligen Integrationsministerium in Stuttgart. Der heute noch nicht ganz 63-Jährige wurde gefragt, ob er die deutschlandweit einmalige Position eines Ombudsmannes für Flüchtlingserstaufnahme Baden-Württemberg ausfüllen wolle. Er überlegte kurz und sagte dann zu. Seit 1. August des vergangenen Jahres geht er in dieser Aufgabe voll auf. Diesen Eindruck hinterließ er zumindest bei den rund 20 Mitgliedern des Bodensee Presse Clubs (BPC) Friedrichshafen, denen Wolfsturm im Comfort-Hotel über seine Aufgabe berichtete.

 

Karl-Heinz Wolfsturm leistet Basisarbeit. Das beweisen die rund 18 000 Kilometer, die er bisher mit seinem Privatwagen zurücklegte, um die Landeserstaufnahmeeinrichtungen im ganzen Lande regelmäßig zu besuchen. Ihm ist es wichtig, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und ihre Lebenssituation persönlich kennenzulernen. "Ich versuche erkannte Probleme vor Ort zu lösen", erzählt der ehemalige Polizeichef. Er geht davon aus, dass seine Aufgaben jetzt beim neu zugeschnittenen Innenministerium angesiedelt werden.

 

Am Anfang, kurz bevor der große Flüchtlingszustrom ab September letzten Jahres alle Kräfte im Lande forderte, waren die Probleme noch nicht in aller Konsequenz absehbar. "Die Aufgabe reizte mich, weil alles bei Null begann. Ich konnte mir meine Tätigkeitsfelder selbst aufbauen. Ich wusste aber nicht, auf was ich mich da einlasse." Seit 1. August 2015 war es vorbei mit meinem planbaren Leben im Ruhestand."

 

Was er dann während seiner Arbeit erlebte und sah schaffte den gestandenen Mann in manchen Situationen, wie er einräumte. Kaum jemand nehme Notiz davon, dass es unter den Flüchtlingen, die in den Aufnahmeeinrichtungen betreut werden, eine ganze Anzahl teilweise schwer behinderter Menschen gibt. Wolfsturm erzählte von einem Mann, dem in Syrien bei einer Explosion beide Beine abgerissen wurden. Familienmitgliedern trugen ihn über die Türkei und den Balkan bis nach Deutschland. Auf die Bedürfnisse von Behinderten müsse speziell eingegangen werden. Das gelte auch, wenn diese Menschen zur Anschlussunterbringung auf die Landkreise verteilt werden.

 

Die Vermittlungsarbeit von Wolfsturm beschränkt sich keineswegs darauf, sich alleine auf Flüchtlinge zu konzentrieren. Er nimmt auch die Sorgen und Nöte von ehrenamtlichen Helfern entgegen, ebenso von den Hauptamtlichen in den Einrichtungen. Nicht zuletzt spricht er bei Bedarf mit Bürgern, die als Nachbarn von Flüchtlingsunterkünften ihre eigene Sicht der Dinge haben. Da geht es zum Beispiel um Probleme mit Müll oder um Hygienefragen. "Da kann schon das Aufstellen eines Dixi-Klos Ruhe hereinbringen."

 

Nach einer kurzen Fragerunde dankte BPC-Präsident Manfred Weixler dem Referenten. Er zollte ihm große Hochachtung für seine Aufgabe als Vermittler in Flüchtlingsfragen. Als Dank überreichte Weixler ein Weingeschenk an Karl-Heinz Wolfsturm. Der Abend klang mit einem gemütlichen Zusammensein aus, bei dem Wolfsturm für weitere Fragen zur Verfügung stand.

Bild: Herbert Guth, zur Bildergalerie geht es hier

 

 

Zur Person

 

Karl-Heinz Wolfsturm trat im September 1973 bei der Bereitschaftspolizei in Lahr/Südschwarzwald in den Polizeidienst ein. Nach seiner Ernennung zum Polizeikommissar war er ab 1978 Dienstgruppenleiter bei einem der Stuttgarter Polizeireviere und übernahm gleichzeitig Führungsverantwortung in der Einsatzhundertschaft der früheren Landespolizeidirektion Stuttgart II. Im September 1980 wechselte Wolfsturm in den Kriminaldienst und war beim Landeskriminalamt (LKA BW) in Stuttgart tätig.

 

Aufgrund seiner fachlichen Leistungen wurde er 1989 für die Laufbahn und Ausbildung des höheren Polizeivollzugsdienstes zugelassen und kehrte 1991 als Kriminalrat und Inspektionsleiter zum LKA BW zurück.

 

Sein weiterer Weg führte über Ludwigsburg als Stellvertreter des Kripochefs nach Aalen, wo Wolfsturm 1994 zum Leiter der Kriminalpolizei und wenig später auch zum Stellvertreter des Leiters der Polizeidirektion bestellt wurde. Ein weiterer Meilenstein ist das Jahr 2001, als Wolfsturm zum Leiter der Kriminalpolizei und Stellvertretenden Leiter der weit größeren Polizeidirektion Ulm berufen wurde. Mit Übertragung der Leitungsfunktion der Polizeidirektion Friedrichshafen im Jahr 2003 erfüllte sich für den „Vollblutpolizisten“ ein anspruchsvolles Berufsziel. Hier wurde er Anfang 2014 in den Ruhestand verabschiedet. Seit jetzt knapp einem Jahr ist Wolfsturm Ombudsmann für die Flüchtlingsaufnahme in Baden-Württemberg. (gut)